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Linz und die Basalt-Industrie

 
aus: Will Hermanns, Der schöne deutsche Rhein, 1930

Rheinab trägt uns das Boot nach Linz...Wuchtig steigt der Quaderbau des Rheintors mit dem lustigen Erkerchen über die Schieferdächer. Hinter ihm breitet sich, von bunten Fachwerbauten umrahmt, der Burgplatz mit einem mächtigen, von neueren Zutaten eingefaßten, altersgrauen Turmbau (aus), dem Überbleibsel einer starken Burg, die Erzbischof Engelbert III. im Jahre 1365 als südlichste Festung des Kurstaates Köln...errichten ließ. Durch die Rheinstraße... gelangen wir auf den geräumigen Markt mit dem stattlichen spätgotischen Rathaus und der kugelgekrönten, viereckigen Säule, die den Platz kenzeichnet, wo 1633 der Bürgermeister der Stadt, Kastenholz, von den Schweden hingerichtet wurde. Unter den schattigen Zweigen der alten Gerichtslinde am Fuß der 1206 erbauten, hochgelegenen Martinskirche gemahnt ein schlichtes Ehrenmal – ein helmgekrönter Sarkophag – an die Opfer des Weltkriegs. Vom stillen Bergfriedhof schweift der Blick über die fröhliche Buntheit der Fachwerkhäuschen, die würdige Behäbigkeit der barocken Patrizierbauten, die wirre Unruhe blitzsauberer Villen hinunter zu den Rheinanlagen, wo sich das selbstbewußte Verwaltungsgebäude der „Basalt-Aktiengesellschaft“ erhebt.

Drunten am Rhein werden über die Ladebühnen gewaltige Mengen von Basaltgestein in die Lastkähne gefahren. Linz ist der Hauptverladeplatz für die riesigen Steinbrüche, die weit im Umkreis in das Mark der Berge vorstoßen. Einer dieser Basaltberge, der Minderberg, ist von E.M.Arndt als „ein wahres Naturwunder“ beschrieben worden: „Man tritt mit einer Art von Staunen wie in einen Zauberpalast in seine weite Öffnung, so gewaltig stehen die Basaltsäulen, zum Teil 50-60 Fuß lang, in verschiedenen Richtungen, schnurgerade oder geneigt, zutage hervor, und viele Hände sieht man geschäftig, sie zu lösen und zu brechen, und Wagen auf Wagen begegnet man, die nützliche und kostbare Beute zum Rhein hinunterzufahren.“

 
 

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