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„Stimme des Rheines – Rheinische Rhythmen 1944“
(geschrieben 4.12.1943 – 6.1.1945)
 
Walter Kordt (1899 – 1972)

VIII

Strom Du des freundlichen Glücks !
Ewig berufen zum Frieden,
Lebst Du Jahrtausende schon
Duldend von Kriegen bedroht.

Immer als Grenzland mißbraucht,
Von Völkern der eigenen Zunge,
Oder von Fremden bitter versehrt,
Bleiben die klagenden Trümmer,
Deiner Burgen und Städte
Zehrender Schande Zeugnis,
Daß für Dein eigenes Recht,
Nimmer der Streitenden einer
Je Dich in Kriege geführt.


Wähle zu Mainz Dir Dein Schiff,
Köln zu
Talwärts zu fahren !
Grüße mit Fassung
Die Trümmer der Burgen,
Die bitter erlitten,
Was nun
Ein drohend Geschick
Jeder der Städte des Stroms
Hält für die Zukunft
Bereit !

XXV

Aber um Köln nicht allein,
Strom unsrer Trauer und Liebe,
Klagen
Gewaltig und schwer
An
Deine Wasser die Zeit !

Wo Deine Welle das Ufer Dir spült,
Vater der Ströme,
Bist Du unendlich geworfen
In Leid.
Und, eine Kette
Zertretener Perlen
Reiht sich
Entlang Deinem Lauf an den Ufern,
Die Du Dir schufest,
Sinnlos entkernt
Und zu Wildnis zerschlagen,
Stadt Dir an Stadt.

(Düsseldorf)

Heute liegt es im Schutt
Des zerfallnen Gemäuers !
Und wenn je
Eine Stunde
Mich ruft,
Wiederzudenken,
Von wo ich gekommen,
Schreckt mich der Blick
Auf die einst prächtige, schöne
Aber nun rasend zertrümmerte Stadt,
Wo Dich wie mich,
Du Strom meiner Kindheit,
Der Turm von Lamberti
Im Uferwind grüßte;
Und ich schaure,
Wie Du,
Im Schrecken der leeren,
Gespenstischen Straßen,
Die mir mit Bitternis künden:
W a s e i n m a l w a r !

 
 

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