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Was ist provinziell?
Etymologisch: lat.: „provincialis“ – den Provinzen des römischen Reiches zugehörig: Gegenüber der einzig wahren Stadt Rom zeichnete die Provinzen ein erheblicher kultureller Rückstand aus, da sie nach Meinung der Römer lediglich von einheimischen Barbaren und altgedienten Kriegsveteranen bevölkert waren. Zur Ausschaltung kritischer Zeitgenossen war es nicht unüblich, von Rom aus in die Provinzen verbannt zu werden. Unter Ludwig XIV. galten die ungebildeten, mit den Pariser Hofsitten nicht vertrauten Landbewohner als Provinzler.

Provinziell heute ? - ein kompliziertes soziokulturelles Problem der Metropolen, Ethnien und Regionen (vgl. K.H.Bohrer, Provinzialismus. München 2000).


Eine einfachere Regel in vier Leitsätzen:

1) Provinziell ist es, wenn ständig geglaubt wird, sich legitimieren zu müssen, nicht provinziell zu sein.

2) Provinziell ist es, wenn bei jedem überregionalen Ereignis nachgewiesen werden muß, ob dabei auch Einheimische mitvertreten sind.

3) Provinziell ist es, wenn bei möglichst allen Dingen festgestellt werden muß, daß es diese auch bei sich zu Hause gibt.

4) Provinziell ist es, wenn allen jenen, die bereit zu sein scheinen, sich von außerhalb auf die Niederungen der Region einzulassen, schon vorab eine große Dankbarkeit und Ergebenheit entgegengebracht wird.

 
 

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