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Moyland, Beuys und die Erben

Die grundlegenden Veränderungen in der Konzeption des Museums Schloß Moyland - laut Thilo Götze Regenbogen ein Wandel von einem „Sammlermuseum zu einem Kuratorenmuseum“ - bezog sich nicht nur auf die Entfernung der spektakulären Hängung der Moyländer Kunstsammlung, sondern zerstörte auch ein Kunstwerk im öffentlichen Raum: Die 1996 gemeinsam vom Gründungsdirektor Hans van der Grinten, Gartenarchitekt Gustav Wörner und dem Beuys-Schüler U We Claus errichtete Eingangsallee zum Schloß, an der die ursprünglichen Eichen wieder gepflanzt und zugleich jeweils mit einer Basaltstele versehen worden waren. Trotz eines großen internationalen Protestes sind diese Basaltsteine von der neuen Museumsleitung im November 2009 entfernt worden, u.a. mit dem Argument, daß diese Arbeit nicht als eine Weiterführung des „Projektes 7000 Eichen“ verstanden werden könne.

Es war den genannten Initiatoren wohl kaum bewusst gewesen, wie sehr ihre damalige Zurschaustellung der Beuys’schen Konfrontation von lebendigem Organismus und materieller Versteinerung den heutigen Planern in Moyland wieder zu einem Fingerzeig werden konnte. Der eigene offene Protestbrief richtete sich deshalb auch gegen eine Zementierung von Deutungshoheiten, bzw. gegen eine Musealisierung und Sakralisierung des künstlerischen Wirkens von Joseph Beuys durch manche Interpretatoren der Nachwelt.

Die Veränderungen im Museum Schloß Moyland betrafen auch eine Vitrine mit mehreren Originalwerken von Beuys aus dem Besitz von U We Claus, die sich früher als Dauerleihgabe in Moyland befand. Sie ist nunmehr in der Schausammlung zur Kunst des 20. Jahrhunderts im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zu sehen – dort nicht zuletzt auch als eine Erinnerung an die frühe Präsenz von Beuys in Aachen zu Zeiten der Fluxus-Bewegung der 1960er Jahre verstanden.


Moyländer Schloßallee (Zustand vor 2009 mit Eichen und Basaltstelen, Foto: U We Claus/B.Roskothen)

Beuys-Vitrine im Suermondt-Ludwig-Museum (Foto: A. C. Oellers) 

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© Dr. Adam C. Oellers - Alle Rechte vorbehalten