Kulturschaufenster...  

 
An der peinlichen Retrospektive Arno Brekers, des wichtigsten Bildhauers der Nationalsozialisten, im Schleswig-Holstein-Haus zu Schwerin (22.7.-22.10.2006) wurde vor allem kritisiert: Die verharmlosende Naivität im Umgang mit dem Thema, die unhinterfragte Förderung mit öffentlichen Mitteln und die geschmacklose Praxis, sich über öffentliche Skandale ein breites Publikumsinteresse zu sichern. Der Hinweis des Ausstellungskurators, die bildende Kunst der Nazis sei offiziell bisher totgeschwiegen worden, erweist sich als reine kulturpolitische Finte, denn kein spezialisierter Wissenschaftler oder Ausstellungsmacher aus dem besonders umfangreich bearbeiteten Forschungsgebiet zur Nazikunst war hinzugezogen worden. Die notwendige und durch letztere möglich gewesene wissenschaftliche wie ausstellungstechnische Einbindung der Breker'schen Monumentalkunst in das ideologische Programm des Faschismus, speziell in die öffentlich-visuelle Inszenierung von Kriegs- und Rassenpropaganda, hätte dann wohl kaum Brekers Witwe veranlaßt, den Nachlaß so bereitwilligst für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Der eigentliche Nachkriegs-"Manager" von Breker, der auf Schloß Nörvenich residierende Galerist Joe Bodenstein, hatte - so war beiläufig auf einer Texttafel zu lesen - allerdings vorher schon im Streit seine Mitarbeit aufgekündigt.

Als unrühmliches Fazit bleibt, daß kulturpolitische Repräsentanten der Länder wie der Kommunen es noch heute ermöglichen, zur politischen Verharmlosung der faschistischen Kunst beizutragen. Und als in einer Schweriner Diskussionsrunde mit Klaus Staeck der Maler K.O.Götz, der selbst von den Nazis verfolgt worden war, seiner Wut darüber freien Lauf ließ, wurde deutlich, wie sehr die damalige kulturelle Barbarei ihrer Repräsentation immer wieder der authentischen Zeitzeugen bedarf.

Eine Nachbemerkung: Schon 1968 war der Forschungsbeitrag einer AG aus dem Bonner Kunsthistorischen Institut, welcher die umfangreiche Tätigkeit Brekers für den Gerlingkonzern in Köln einer kritischen Analyse unterzogen hatte, von den Verantwortlichen kurzfristig wieder aus dem Programm des Kölner Kunsthistoriker-Kongresses gestrichen worden.
 

Ausstellungsfahne in Schwerin

Blick in die Ausstellung

 

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