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Der Katschhof und der Fall des „Bauhauses Europa“, 2006





Die neue Bebauung des Aachener Katschhofes aus dem Jahre 1957-59:

Eine Gutachter-Kommission empfahl 1955 „die Errichtung eines neuen Verwaltungsgebäudes, das den Katschhof in seiner ursprünglichen Gestalt abschließt und die Spannungsverhältnisse zwischen Dom und Rathaus wiederherstellt. Die Aufgabe wird sein, dem Bauprogramm mit diesem Gebäude in der heutigen Bausprache zu genügen und zugleich dienendes Glied zwischen den beiden großen historischen Monumenten zu sein, maßvoll sowohl in den Höhen wie in der architektonischen Sprache.“ Überlegt wurde auch eine Überbauung der neuzeitlichen Ritter-Chorus-Straße, um die Westseite des Platzes wieder zu schließen.

Der Sieger des Wettbewerbs, Prof. Gerhard Graubner, erläuterte 1961 seine Ideen wie folgt: „Die Gestaltung der Neubauten, die nun einen Teil der Platzwände des Katschhofes bilden, konnte aus der vertikalen Tendenz der Aufgliederung der Platzwände abgeleitet werden, die in der Baugruppe des Domes, des Rathauses und den schmalen Baukörpern der gegenüberliegenden Wohnbebauung deutlich zum Ausdruck kommt. Auch der neue Anbau an das alte Rathaus paßt sich diesem Prinzip an. In der Domsingschule erhält dieser architektonische Rhythmus seine konzentrierte Ausprägung. Die räumliche und maßstäbliche Ordnung, die der ganzen Planung zugrunde gelegt wurde, gab dem Architekten die Möglichkeit, die Neubauten zwischen Dom und Rathaus so einzufügen, daß sie zu einer maßstäblichen Steigerung der historischen Bauten dienen können. Zugleich mit dieser Abstimmung können die neue Domsingschule und das neue Verwaltungsgebäude in ihrer architektonischen Form auch ihren baulichen Eigenwert zum Ausdruck bringen…
Ein Kontrast zum alten Rathaus mit seinem rustikalen Mauerwerk konnte nur durch konträres Material und durch ein konträres Konstruktionsprinzip erreicht werden. So wurde bewußt die skelettartig ausgebildete Konstruktion des neuen Verwaltungsgebäudes mit der vorgehängten Metallfassade in Bronze in Gegensatz gebracht zu dem massiven Natursteinmauerwerk des alten Rathauses mit seinen großen geschlossenen Mauerflächen. Aber auch in den maßstäblichen Beziehungen sind diese Kontraste bewußt herausgestellt und damit die unbedingte erforderliche Abstimmung der Bauten zueinander in eine klare, abgewogene Beziehung gebracht.“
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Während das geplante „Bauhaus Europa“, für welches das Verwaltungsgebäude und die oben angesprochene Einheitlichkeit des Platzgestaltung geopfert werden sollten, durch einen Bürgerentscheid am 10. Dezember 2006 gestoppt worden war, wurde zur gleichen Zeit ein Antrag auf Unterschutzstellung des Verwaltungsgebäudes gestellt und seitens der Landesdenkmalbehörde zur Prüfung angenommen.


 

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