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I. Architektur und Montessori-Pädagogik in Aachen:

Geschichte:


1924/25 - Gründung einer ersten, privaten Montessori-Schule (Villa Lammertz/Haus Vivat, Monheimsallee), ab 1926 als Montessori-Versuchsschule anerkannt, später verlegt (1930-34 in der Kaiserallee 10).
1926 - Dem "Fröbel-Seminar" (1906 urspr. als private Bildungsanstalt gegründet, ab 1908 im Neubau Paßstr.) werden unter der neuen Leitung von Helene Helming mehrere Montessori-Kinderhäuser angegliedert, ab 1927 erweitert zur städtischen Montessori-Schule (1935/36 von den Nazis aufgelöst).
1948 - Wiederaufbau der Montessorischule in der Beeckstr. (ab 1952 wieder im Fröbel-Seminar), im Laufe der nächsten Jahrzehnte entstehen in Aachen zwei Grundschulen und zahlreiche Kinderhäuser.
1997 - Eröffnung der Montessori-Gesamtschule (Sandkaulstr.), ab 2001 im Neubau am ehem. Moltkebahnhof.

Zitate:

„Für die noch schwachen Kräfte des Kindes soll seine Umgebung übersichtlich und klar, und gleichzeitig veränderlich-plastisch sein…auf der physischen Hygiene (wollen wir) die darüber hinausgehenden Forderungen der ‚psychischen Hygiene’ aufbauen…wir wollen dem Raum psychische Funktionen übertragen…der Raum für das Kind muß -geistiger Führer - sein…
Wir fordern einen schönen Raum und schöne Gegenstände, weil schöne Dinge uns einladen sie zu gebrauchen…Wir fordern Ordnung, weil Ordnung es dem Kinde erleichtert die Gegenstände, deren es zu einer bestimmten Tätigkeit bedarf – zu finden…Wir fordern eine Umgebung, die anregend und fröhlich ist, aber wir hüten uns vor einem wahllosen Zuviel der Dinge…Wir fordern die proportionierte Umgebung, damit das Kind sich in seinem Hause so selbstverständlich wohl und frei fühle, wie wir in unserem.
Das Kind braucht die Ruhe und Sammlung, die der geschlossene Raum mitteilt. Es muß nur ein Raum sein, der Frieden und Harmonie geben kann…Der äußere Zusammenhang der einzelnen Glieder dieser ‚kindlichen Gesellschaft’ ist ein ziemlich lockerer. Da soll nun der Raum seinen Einfluß geltend machen. Er soll so sein, daß er den Einzelnen immer wieder zum Zentrum zurückführt. So wählen wir womöglich nicht den langgestreckten, ebenso nicht den rechtwinkeligen Raum. - Oktogonale Räume haben sich als sehr günstig erwiesen, sie wirken ausgeglichen und harmonisch. Einzelne haben zeitweise das stärkste Bedürfnis sich abzusondern – ungestört zu sein. So erhält der Raum ein bis zwei Nischen, abgeschlossene Winkel…
Die Kinder dürfen durch die Raumgestalt nicht bedrückt werden, müssen sich durchaus als die Ueberlegenen vorkommen, denen der Raum zu dienen hat; er darf also nicht zu hoch sein, die Türen dürfen nicht zu breit sein und die Fenster, wenn auch groß, um viel Licht und Luft hereinzulassen, doch im angemessenen Verhältnis zum Kind…Der Raum für Kinder muß alle Sentimentalität und Romantik vermeiden und gegen die Menschen und ihr Tun zurücktreten…hier ist der Maßstab aber das Kind.“
Zum Arbeitsraum: „Alles Spiel- und Arbeitsmaterial ist gemeinsames Eigentum der Kinder…es soll kein Stück im Raume sein, das nicht ständig gebraucht wird…Ein Kasten enthält so viele kleine Laden, als Kinder da sind; hier verwahrt jedes sein persönliches Eigentum…Stühle und Tische sind da – in verschiedenen Größen und verschiedener Form. Die Mehrzahl rechteckig, manche rund und manche quadratisch…Wenn alle Möbel aufgestellt sind, soll noch etwa die Hälfte des Fußbodens leer sein“ (Lilli Roubiczek, 1926).

"…Vor allem ist es wichtig, daß die Einrichtung möglichst 'künstlerisch schön' ist. Unter Schönheit ist hier nicht etwa 'Überflüssiges', 'Luxus' zu verstehen, sondern Gefälligkeit und Übereinstimmung in Formen und Farben, zusammen mit jener äußersten Einfachheit, die durch die 'Leichtigkeit' der Möbel geboten ist" (Maria Montessori, 1926).

Inneneinrichtungen/Schulmöbel aus den Montessori-Versuchsklassen in Aachen
Idealentwurf für einen Neubau einer Montessori-Schule in Aachen
Montessori-Gesamtschule auf dem Gelände des ehem. Moltkebahnhofs in Aachen
Entwurf eines Montessori-Kindergartens auf dem Gelände des ehem. Moltkebahnhofs in Aachen


II. Architektur und Waldorfpädagogik in Aachen :


Geschichte:

1973 Gründung eines "Vereins für Waldorfpädagogik in Aachen"
1979 Eröffnung eines Waldorfkindergartens am Brüsseler Ring,
1982 Umzug des Kindergartens in das "Hochgrundhaus", Lütticher Str.
1985 Eröffnung der Aachener Waldorfschule auf dem Gelände des "Alten Klinikums":
Umnutzung von 3 alten Klinikum-Pavillons (u.a. als Festsaal) und Errichtung von 3
Holzpavillons
1989-92 Abbau des Holzbauten und Errichtung eines großzügigen neuen Schulgebäudes
(Architekt: Jens Peters, Stuttgart)
2006ff. Einrichtung der "Parzival-Schule" (heilpädagogische Schule) im oberen Klinikum-
Pavillon ("Oberes Haus") mit neuen Erweiterungsbauten

Zitate:

„Ein Hinausprojizieren der eigenen Gesetzmäßigkeit des menschlichen Leibes außer uns in den Raum ist die Baukunst, die Architektur“ (Rudolf Steiner, 1914).
„Der notwendigen inneren Raumgestaltung…werden die Außenformen zu folgen
haben…Fühlen soll man in dem, was an den Wänden ist, das lebendige Negativ dessen, was da gesprochen und getan werden soll…Die Wand ist nicht bloß Wand, sie ist lebendig, wie der lebendige Organismus Erhöhungen und Vertiefungen gegliedert aus sich herauswachsen läßt“ (Rudolf Steiner, 1914).

"So wie nach Maß, Ordnung und Proportionen des Leibes entworfen wird, wollen wir nach Richtung, Richtungswechsel, Geschwindigkeit einer Bewegung entwerfen: Formen ansetzen an Bewegungsabläufe, diese zur Ruhe bringen, Übergänge schaffen, aus Bewegungswertigkeiten rhythmisieren. Die Bewegung einer Baugestalt bringt das Innere des Benutzers in Bewegung…Mit den Mitteln der Bewegung, Lebendigkeit und Formverwandlung ist die Baukunst in der Lage, dem individuellen Menschen und der differenzierten Gruppe den Bau und die Stadt als Individualitäten gegenüberzustellen, die sich gleichzeitig sozial verhalten. Eine Baugestalt für Menschen erfordert einen individualisierten, für den Inhalt und Ort unverwechselbaren, typischen Ausdruck. Das triviale Prinzip der äußeren Funktionalität wird gesteigert zu einer geistig-lebendigen Identifikationsmöglichkeit des Benutzers mit 'seinem' Bauwerk. Der Mensch entdeckt in der Baugestalt seinesgleichen" (Jens Peters, 1992).

Rudolf-Steiner-Kindergarten im Hochgrundhaus
Neubau der Freien Waldorfschule Aachen
 

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