Kulturschaufenster...  

 

2011 – Ein Jahr der Ausstellungs-Retrospektiven

In der Aachener Region widmeten sich mehrere Jubiläums-Ausstellungen der Erinnerung an einzelne große Kulturereignisse, welche in der Vergangenheit eine spektakuläre Aufmerksamkeit erlebt hatten. Für den Blick zurück mag es mehrere Gründe geben: Eine Rückschau auf bedeutsame Kunstevents ehrt die heute rar gewordenen Protagonisten der Avantgarde und soll zugleich Legitimation und künstlerische Kontinuität für die in der Gegenwart Schaffenden erbringen. Weiterhin ist zu vermuten, dass die heutige Kunst weitgehend als epigonal empfunden wird und man sich demzufolge lieber wieder mit ihren ursprünglichen Quellen beschäftigen will (Fotos: Adam C. Oellers).

Umwelt-Akzente 1970 – 2011 Monschau


Monschau 2011 - H.A. Schult und Rune Mields


Monschau 2011 - Timm Ulrichs und Klaus Honnef

Die open air Schau „Umwelt-Akzente. Expansion der Kunst“ von 1970 war die erste große, allerdings noch temporäre Präsentation der sog. „Kunst im öffentlichen Raum“ – veranstaltet vom Kunstkreis Monschau um die früheren Zeitungsredakteure Kaspar Vallot und Klaus Honnef (im Anschluß initiierte man 1971 auch noch die Verpackung der Burg durch Christo). Diese erste direkte Konfrontation zwischen moderner Kunst und (klein-)städtischer Bevölkerung rief damals Begeisterung wie auch heftige Gegenreaktionen und zahlreiche Zerstörungen hervor. Das Ereignis, das viele Kunstfreunde und Studenten zum Ausflug nach Monschau animierte, hat noch heute Kultstatus, was jüngst auch in der Rekonstruktion der Ausstellung (27.8. – 30.9.2011) sichtbar wurde. Zu ihr waren einige der Künstler noch einmal nach Monschau zurückgekommen.

25 Jahre Neuer Aachener Kunstverein – The Silver Show


Neuer Aachener Kunstverein 2011

Mit seiner Jubiläumsausstellung (10. – 20.11.2011) sah sich der 1986 gegründete NAK als jüngstes Glied in eine Reihe von Kunstinitiativen, die sich seit den 60er Jahren der Förderung der Avantgarde in Aachen gewidmet haben. Seine ersten festen Räume hatte er ab 1988 in der Rudolfstraße im durch Arbeiter und Migranten geprägten Ostviertel – in direkter Nachbarschaft mit einer Theaterinitiative. 2001 bezog man die umgebauten Räume des ehem. Grünflächenamtes an prominenter Stelle im Aachener Stadtgarten hinter dem Spielcasino. Eindrucksvoll ist die Liste der vertretenen Künstler, überdeckt aber auch den Wandel in der Klientel bzw. der Programm-Schwerpunkte, welche sich von einer Aufarbeitung u.a. regionaler Kunst und Kunstgeschichte hin zur Präsentation junger internationaler, oft noch unbekannter Künstler verlagerten.

Nie wieder störungsfrei ! Aachen Avantgarde seit 1964


Ludwig Forum - Diskussion am 27.10.2011

Die größte Retrospektive des Jahres veranstaltete das Ludwig Forum aus Anlaß seiner Eröffnung vor 20 Jahren am 27.6.1991 in der ehem. Schirmfabrik Brauer. Die Ausstellung (22.10. 2011 - 5.2.2012) und der umfangreiche Katalog sind in einzelne chronologische Phasen gegliedert: Zunächst der Impuls der Architekturstudenten, die Mitte der 60er Jahre an der RWTH und in der studentischen „Galerie Aachen“ eine rege Fluxusszene begründeten, dann die Tätigkeit der Avantgarde-Galerie „gegenverkehr“ (1968-72), schließlich das Auftreten des Sammlers Peter Ludwig, dessen Erwerbungen nach ersten Ausstellungen im Suermondt-Museum dann 1970 zur Gründung der „Neuen Galerie – Sammlung Ludwig“, dem Vorgänger des Ludwig Forums führten. Die materialreiche und verdienstvolle Aufarbeitung gibt einen spannungsvollen Einblick in über zwei Jahrzehnte Präsenz der modernen Kunst in Aachen; sie vermeidet zugleich aber den Eindruck eines roten Fadens in einem durchgehend progressiven städtischen Kulturklima: Zu unterschiedlich und fremd waren die einzelnen Gruppen hinsichtlich ihrer Herkunft und ihrer Anschauungen, als hier von einer kulturellen Kontinuität sprechen zu können.


 

zurück
 

© Dr. Adam C. Oellers - Alle Rechte vorbehalten